Einige Gedanken zum (Fahr)Training

Einige Gedanken zum (Fahr)Training

Meine kleine PJ (Dundee Proud In Pajamas) während einer kürzlich gefilmten Trainings-Sequenz am langen Zügel bei Susan Bijl (SB Driving Stables, NL). Unsere Trainerin Veronika hat hier daheim zuvor die ersten Schritte auf dem Weg zum Fahrpferd mit PJ absolviert. Dabei ist sie lange Stunden mit PJ am langen Zügel über Berg und Tal marschiert, um dieser super sensiblen, temperamentvollen und sehr unsicheren Stute Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln.

Vor über einem Jahr habe ich PJ dann zu Susan nach Holland geschickt für die eigentliche Fahrausbildung. Das Ziel war dabei nicht, möglichst schnell ein showfertiges Pferd zu haben. Im Vordergrund stand hingegen, ihr so viel Zeit wie nötig zu geben, damit sie in Ruhe Vertrauen, Selbstbewusstsein, Rhythmus und Kraft entwickeln und aufbauen kann. Glücklicherweise habe ich eine Trainerin gefunden, welche exakt auf derselben Wellenlänge liegt und PJ die Zeit gibt, die sie braucht. Nach und nach wird jetzt ersichtlich, was an Bewegungspotential in diesem kleinen Pferd steckt.

Solides Training statt „Quick Fix“

Meiner Meinung nach sieht so ein wirklich ausbalanciertes Pferd aus. Sie wurde auf „ehrliche“ Art und Weise trainiert, nicht mit Schlaufzügeln zusammengeschnürt oder mit Gewichten oder Ketten trainiert um mehr Aktion herauszukitzeln … einfach nur solide klassische Trainingsarbeit. Das ist keine schnelle Lösung, wo man schon nach wenigen Wochen spektakuläre Resultate sieht. Es dauert vielmehr Monate, wenn nicht Jahre, um ein Pferd auf dieses Niveau zu bringen. Aber der Unterschied dabei ist, dass PJ im Gegensatz zu einem im Schnellverfahren ausgebildeten Pferd einen gleichmäßig rhythmischen, natürlichen Bewegungsablauf zeigt. Sie hebt den Widerrist und zeigt eine natürliche Kopfhaltung mit dem Genick als höchstem Punkt bei leichter Anlehnung.

Viele Leute lassen sich leicht von einem spektakulären Bewegungsablauf blenden, der zu Lasten von Rhythmus und Takt geht. Was sie nicht zu sehen scheinen, sind der weggedrückte Rücken und der abgesenkte Widerrist. Sie sehen nicht wie die Ohrspeicheldrüsen gequetscht werden und die Nasenlinie hinter der Senkrechten ist. Das ist oft ein Zeichen dafür, dass das Pferd im dritten Halswirbel abknickt und das Genick nicht mehr der höchste Punkt ist. Diese Art von Training bringt vielleicht schnelle Erfolge und ein Pferd mit enormer Vorhand-Aktion, aber um welchen Preis? Letztlich zahlt das Pferd dafür mit seiner Gesundheit und seinem Wohlbefinden.

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